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26-08-2004 Luftfahrtkatastrophe August 2004
Angst vor neuen Terroranschlägen in Russland nach Flugzeugabstürzen
Nach den fast zeitgleichen Abstürzen von zwei Passagiermaschinen mit insgesamt 89 Todesopfern wächst in Russland kurz vor der Präsidentenwahl in Tschetschenien die Angst vor neuem Terror. Die beiden Tupolews verschwanden am späten Dienstagabend im Abstand von wenigen Minuten von den Radarschirmen, wie die Behörden mitteilten.

Eine Maschine mit 43 Insassen zerschellte in der Region von Tula 180 Kilometer südlich von Moskau; eine zweite mit 46 Menschen an Bord stürzte nahe der südrussischen Stadt Rostow am Don ab. Der Geheimdienst FSB ging einem möglichen terroristischen Hintergrund nach. Experten schlossen aber auch einen Unfall nicht aus.

Beide Flugzeuge waren vom Moskauer Flughafen Domodedowo gestartet und verschwanden fast zeitgleich von den Radarschirmen: die Tu-154 der Fluggesellschaft Sibir mit Ziel Sotschi am Schwarzen Meer um 22.59 Uhr Ortszeit (20.59 Uhr MESZ), die Tu-134 der Airline Wolga-Aviaexpress mit Ziel Wolgograd etwa drei Minuten später. Die Tu-154 mit 46 Insassen setzte kurz vor dem Absturz in der Region von Rostow am Don ein allgemeines Notsignal ab. Die Agentur Interfax hatte zunächst von einem speziellen Notsignal berichtet, das bei Entführungen ausgelöst wird.

Präsident Wladimir Putin brach seinen Urlaub in Sotschi ab und kehrte nach Moskau zurück. Er erklärte den Donnerstag zu einem nationalen Trauertag.
Zuvor hatte er eine "unverzügliche" Untersuchung durch den Inlandsgeheimdienst FSB angeordnet. FSB-Ermittler fanden nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise für Anschläge.

Experten an der Absturzstelle bei Tula gingen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass die Tu-134 in der Luft auseinander brach. Der Rumpf weise "ziemlich klare" Bruchstellen auf, sagten die Experten der Nachrichtenagentur AFP. Cockpit und Rumpf lägen zudem rund 400 Meter voneinander entfernt und hätten keine Spuren am Boden hinterlassen; wäre die Maschine erst am Boden auseinander gebrochen, gäbe es solche Spuren. Flugzeugteile machten "keine Sprünge von 400 Metern". Als mögliche Gründe für das Auseinanderbrechen kämen eine Explosion, ein schwerer Pilotenfehler oder Materialermüdung infrage. Gewissheit könne aber erst eine Laboranalyse bringen.

Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow sagte im Fernsehen während eines Treffens mit Putin, sowohl der Möglichkeit eines Terroranschlags als auch technischen Problemen werde nachgegangen. Auch FSB-Sprecher Nikolai Sacharow sagte, "mehrere Hypothesen" würden untersucht. Die wichtigste Annahme gehe davon aus, dass eine Missachtung von Regeln des Flugbetriebes zu den Abstürzen geführt habe. Ein anderer FSB-Sprecher nannte die "Hypothese terroristischer Akte".

Bewohner der Ortschaft Butschalki, in deren Nähe die Tu-134 abstürzte, berichteten von drei aufeinander folgenden Explosionen. "Erst hörte es sich wie ein Donner am Himmel an, nicht wirklich laut, aber man konnte es eindeutig hören", sagte der 20-jährige Maxim. Das sei gegen 23.00 Uhr gewesen; etwa um 02.00 Uhr habe er nachsehen wollen, aber "die Polizei hinderte uns, näherzukommen". Die 13-jährige Katja hörte ein Geräusch wie einen "Donnerschlag".

Vor allem die Gleichzeitigkeit der Abstürze nährte Spekulationen über einen terroristischen Hintergrund. Es sei unmöglich, dass zwei Flugzeuge, die vom selben Flughafen gestartet sind, gleichzeitig verunglückten, sagte Arkadi Baskajew, ein Mitglied des Sicherheitsausschusses des russischen Unterhauses. Ein "terroristischer Akt" sei daher die "wahrscheinlichste Erklärung".

Ein Sprecher des von Moskau nicht anerkannten tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow wies eine Verwicklung von Rebellen in die Abstürze zurück. Am Sonntag wird in Tschetschenien der Nachfolger des im Mai bei einem Anschlag getöteten Kreml-treuen Präsidenten Achmad Kadyrow gewählt. In ganz Russland waren die Sicherheitskräfte deshalb bereits seit Tagen in erhöhter Alarmbereitschaft.

Solana erschüttert nach Flugzeugabstürzen in Russland

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat sich bestürzt über die beiden Flugzeugabstürze mit 89 Todesopfern in Russland geäußert. Er hoffe, dass die Unglücksursache rasch ermittelt werde, sagte Solana am Mittwoch in Brüssel. Die Nachricht von den fast zeitgleichen Abstürzen habe ihn "erschüttert". Solana sprach dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sein Beileid aus.


Zwei Flugzeuge in Russland abgestürzt
Im Zentrum und im Süden Russlands sind in der Nacht zu Mittwoch zwei Passagierflugzeuge mit insgesamt mindestens 88 Menschen an Bord abgestürzt.
   
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