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27-08-2004 Luftfahrtkatastrophe August 2004
Keine hundertprozentige Gepäckkontrolle am Flughafen Domodedowo
Das Gepäck der Passagiere am Moskauer Flughafen Domodedowo wird keiner hundertprozentigen Sprengstoff-Kontrolle unterzogen. Das sagte die Sprecherin der Flughafenverwaltung, Julia Masanowa, gegenüber RIA Nowosti. Von Domodedowo waren am Dienstagabend die beiden Tupolew-Maschinen abgeflogen, die später in den russischen Gebieten Tula und Rostow zur gleichen Zeit abstürzten.

„Unsere Technologie sieht keine hundertprozentige Sprengstoff-Gepäckkontrolle vor", so Masanowa.

Wie der Sprecher des russischen Inlandgeheimdienstes FSB, Sergej Ignattschenko, am Freitag mitteilte, wurden Spuren des Hexogen-Sprengstoffs an Wrackteilen des im Gebiet Rostow abgestürzten Flugzeuges gefunden. Am Absturzort im Gebiet Tula seien bisher keine Sprengstoffspuren entdeckt worden.

Der Chef der staatlichen Kommission für die Untersuchung der Absturzursachen, Igor Lewitin, sagte, die Verkehrsaufsicht habe bereits am 25. Mai Verstöße gegen Luftverkehr-Sicherheitsnormen am Flughafen Domodedowo aufgedeckt. „Im Flughafengebäude wurden Verstöße gegen Sicherheitsregeln bei Personen- und Gütertransporten aufgedeckt. Damals wurde ein Protokoll über die Beseitigung dieser Mängel sowie den Ankauf von Ausrüstungen und erforderlichen Mitteln aufgestellt", hieß es.

Die Flughafenverwaltung gibt zu, das System der Gepäckkontrolle im Airport sei unvollkommen. Es gebe zwar spezielle Kontrollgeräte, sie würden aber selektiv und „je nach der Situation" benutzt. Das betreffe etwa Gasanalysatoren für die Entdeckung von Sprengstoffen im Gepäck. Über die Anwendung dieser technischen Mittel entscheiden Sicherheitsmitarbeiter mit Spezialausbildung, so Masanowa.

Die Flughafenverwaltung verweist auf geltende Vorschriften und Richtlinien. „Wir erfüllen jene Forderungen, die vom Staat gestellt werden. Die Mitarbeiter des Airports sind verpflichtet, diese Forderungen zu erfüllen", hieß es.

Die Metalldetektoren am Flughafen können zwar laut Masanowa Schuss- und Stichwaffen oder etwa Granaten entdecken, sind aber für die Erkennung kleiner Metallfragmente wenig geeignet. Explosive Stoffe lassen sich in jeden Alltagsgegenstand einpacken, ohne dass man sie auf dem Bildschirm sieht, betonte die Flughafen-Sprecherin.

Sicherheitsexperte Stanislaw Maksimow sagte aber, Metalldetektoren seien doch effektiv genug. „Sprengstoff im Gepäck lässt sich selbst mit einem Metalldetektor und einem Röntgengerät erkennen, mit denen jeder abgelegenste Flughafen ausgestattet ist", so Maksimow.

Hexogen als solches sei nach seinen Worten eigentlich ungefährlich. „Um eine Detonation auszulösen, ist eine spezielle Vorrichtung erforderlich. Diese Vorrichtung lässt sich sowohl von einem Metalldetektor als auch von einem Röntgengerät bei Gepäckkontrolle erkennen".

„Wenn man zu arbeiten versteht, so kann man praktisch alles finden. Das Problem besteht aber darin, dass die Kontrolleure selbst nicht immer wissen, wie das, was sie suchen, aussieht und was sie vor allem ins Visier nehmen sollten. Es gibt zwar Technik, gesucht wird aber von Menschen", so der Experte.

Ein Röntgengerät ermögliche es unter anderem, Hexogen-Kristalle aufzudecken.

Es gebe unterschiedlichste Erkennungsmethoden für Sprengstoffe. Die russischen Geräte kosten laut Maksimow rund 7.000 US-Dollar, die ausländischen sind zweimal teuerer. Ein Forschungsinstitut des Innenministeriums habe etwa Zerstäuber entwickelt, die Sprengstoffspuren zeigen könnten. „Leider kommen sie aber erst nach einer Explosion zum Einsatz", so Maksimow.

Im Gebiet Tula sind unterdessen die Überreste des letzten Absturzopfers entdeckt worden. Das teilte ein Katastrophenschutz-Sprecher mit. Bei diesem 44. Menschen an Bord der abgestürzten Maschine handle es sich um eine Frau.

Die Gesamtzahl der Todesopfer bei zwei Abstürzen am 24. August ist somit auf 90 Menschen gestiegen. (RIA)