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27-08-2004 Luftfahrtkatastrophe August 2004
Einer der Tupolew-Abstürze in Russland war mutmasslich Terroranschlag
Drei Tage nach den fast zeitgleichen Flugzeugabstürzen in Russland mit 89 Toten haben die russischen Behörden erstmals von einem "Terroranschlag" gesprochen. Nach ersten Erkenntnissen sei auf eine der beiden Tupolew-Maschinen ein Anschlag verübt worden, sagte der Sprecher des Inlandsgeheimdienstes FSB, Sergej Ignatschenko, am Freitag laut Nachrichtenagenturen.

An Wrackteilen der Maschine seien Sprengstoffspuren gefunden worden. Im Internet erklärte die islamische Gruppe "Islambuli Brigaden", Mudschahedin hätten die Flugzeuge entführt. Die Anschläge sollten "unsere Brüder in Tschetschenien" unterstützen.

An dem Wrack der Tupolew 154, die mit 46 Menschen an Bord von Moskau in Richtung Sotschi gestartet war, seien Spuren des Sprengstoffs Hexogen entdeckt worden, sagte Ignatschenko. Die Maschine war nahe der südlichen Stadt Rostow am Don niedergegangen. An der auseinandergebrochenen Tupolew 134, die ebenfalls in Moskau startete, seien bislang keine Sprengstoffspuren gefunden worden, erklärte der FSB-Sprecher.
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Schwerpunkt Flugzeugabstürze am 24.8-2004 – Nachrichten, Hintergründe, Reportagen und Analysen.
Die Maschine war auf dem Weg nach Wolgograd in der Region von Tula abgestürzt, dabei wurden 43 Menschen getötet. Der Sprengstoff Hexogen wurde nach Angaben der russischen Behörden auch für die Serie von Bombenanschlägen auf Moskauer Wohnhäuser 1999 benutzt. Die Attentate mit rund 200 Toten waren von Präsident Wladimir Putin zur Begründung für den zweiten Tschetschenienkrieg angeführt worden.

Von offizieller Seite wurde zunächst keine Verbindung zwischen den Attentätern und einer möglichen Urheberschaft tschetschenischer Rebellen hergestellt. Unmittelbar nach den Abstürzen hatte es bereits Spekulationen über einen Terroranschlag gegeben, der im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien am Sonntag stehen könnte.

Medienberichten zufolge kamen zwei Flugpassagierinnen vermutlich aus Tschetschenien. Bei beiden habe es keine Angehörigen gegeben, die sich nach den Toten erkundigt hätten, berichteten Nachrichtenagenturen. Laut der Wirtschaftszeitung "Kommersant" saß bei dem Flug Moskau-Sotschi eine Tschetschenin in der Kabine nahe dem Flugzeugheck und den Flügeln. Der Platz eignet sich Experten zufolge, um eine Bombe zu deponieren.

Aus dem selben Flugzeug sandte die Besatzung laut der Nachrichtenagentur ITAR-TASS eine kodierte Botschaft, wonach die Maschine entführt worden sei.
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Es habe mindestens drei Notrufe gegeben, in denen von Kidnappern die Rede gewesen sei, zitierte die Agentur am Freitag eine anonyme Quelle. Schon kurz nach dem Absturz hatte es Informationen über eine Entführung gegeben. Die Behörden hatten dann jedoch erklärt, es habe sich lediglich um einen normalen Notruf gehandelt.

Auch an Bord der zweiten Maschine soll sich eine Tschetschenin befunden haben. Der tschetschenische Innenminister Achmed Dakajew erklärte laut der Nachrichtenagentur Interfax, die Frau stamme aus Grosny. Er sei damit beauftragt, die Identität der beiden Frauen zu klären.

In der Erklärung der "Islambuli Brigaden" hieß es weiter, jeweils fünf Mudschahedin hätten die Passagiermaschinen entführt. Die Anschläge seien "trotz der anfänglichen Probleme gelungen". Es handele sich um den "ersten Schlag", dem eine ganze Serie von Attentaten folgen werde, "um unsere Brüder in Tschetschenien und anderen Regionen, die unter Russland leiden, zu unterstützen". Die Authentizität des Bekennerschreibens konnte zunächst nicht nachgewiesen werden. Die Gruppe hatte sich diesen Monat bereits zu Anschlägen in Pakistan bekannt. Sie ist vermutlich nach Chaled el Islambuli benannt, der in die Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat 1981 verwickelt war.