russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



13-10-2006 Armenien
Türkisches Genozid an Armeniern - Blick aus Russland
Das französische Parlament hat am Donnerstag einen Gesetzentwurf gebilligt, wonach die Negation des türkischen Völkermordes an Armeniern von 1915 bis 1917 strafrechtlich verfolgt werden soll.

Diese Entscheidung löste in Russland Diskussionen aus.




In Frankreich leben derzeit etwa 500 000 Menschen armenischer Herkunft. In Russland bilden die Armenier mit 1,1 Millionen etwa 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" bat prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens um eine Stellungnahme.

Rechtsanwalt Genrich Padwa: "Eine bewusste Geschichtsfälschung mit dem Ziel, Fremdenhass zu schüren, kann strafbar sein. Beim Genozid an den Armeniern handelt es sich um eine grausame Tragödie. Die Negierung dieser Tatsache ist für die armenische Nation und für jeden einzelnen Armenier eine Beleidigung.

Immerhin kommt es darauf an, was für eine Motivation die Negation einer historischen Tatsache hat. In der Sowjetunion wurde bekanntlich die Existenz Jesu bezweifelt. So etwas kann natürlich nicht bestraft werden. Wenn aber die Negation niederträchtigen Zielen dient, dann muss die bestraft werden."

Alexander Brod, Direktor des Moskauer Büros für Menschenrechte: "In vielen Staaten wird die Negation des Holocaust geahndet. Denn man glaubt, dass die Negation einer historischen Tragödie wie der Rassendiskriminierung zu einer Wiederholung dieser Tragödie führen kann. In Deutschland und Österreich werden zum Beispiel Buchautoren und Politiker strengt bestraft, welche den Holocaust negieren oder bagatellisieren."

Boruch Gorin, Chef des Departments Öffentlichkeitarbeit des Verbandes der russischen Judengemeinden: "Jede Tötung von Menschen aus Rassengründen ist meiner Meinung nach eine Tragödie. In den USA dient das Gesetz über die strafrechtliche Verantwortung für die Holocaust-Negation dem Kampf gegen den Neonazismus und nicht dem Ziel, die öffentliche Meinung zu manipulieren. In diesem Fall ist ein solches Gesetz wohl angebracht. Was die strafrechtliche Verantwortung für die Negation einer historischen Tatsache generell angeht, so habe ich gewisse Bedenken dagegen." [ RIA Novosti ]