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03-05-2006 Armenien
Erster Unfall mit Airbus A-320 in Russland - 113 Tote bei Flugzeugabsturz über dem Schwarzen Meer
Beim Absturz eines armenischen Passagierflugzeugs über dem Schwarzen Meer sind alle 113 Insassen an Bord ums Leben gekommen.
Nach russischen und armenischen Behördenangaben stürzte der Airbus 320 der Fluggesellschaft Armavia in der Nacht zum Mittwoch beim Landeanflug auf dem Flughafen des beliebten südrussischen Badeorts Sotschi ins Meer.


Die Behörden vermuten schlechtes Wetter als Ursache; zum Zeitpunkt des Absturzes herrschten heftiger Regen und schlechte Sicht. Ein Terroranschlag wurde ausgschlossen. Die armenische Luftfahrtbehörde versicherte, die Maschine sei erst im April gewartet worden.

Der Linienflug war mit acht Besatzungsmitgliedern und 105 Passagieren auf dem Weg von der armenischen Haupstadt Eriwan ins 600 Kilometer entfernte Sotschi. Laut Passagierliste waren die meisten Opfer Armenier, 26 waren Russen, zwei kamen aus Georgien und der Ukraine. Viele der Insassen waren auf dem Weg zu Verwandten. Wegen der schlechten Sicht brachen die Piloten einen ersten Landeanflug ab, um nach Eriwan zurückzukehren. Nach Entwarnungen der Fluglotsen entschlossen sie sich dann aber doch zur Landung in Sotschi, wie ein Armavia-Vertreter berichtete. Gegen 02.15 Uhr Ortszeit (00.15 Uhr MESZ) verschwand die Maschine plötzlich von den Radarschirmen. Kurze Zeit später wurden erste Trümmerteile rund sechs Kilometer vor der Küste gefunden.

Nach Berichten der russisschen Nachrichtenagenturen liegt der Airbus in rund 300 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Bergungsmannschaften hätten mit Hilfe eines kleinen Tauchboots und Sonden das Heck der Maschine entdeckt. Von dem Flugschreiber fehlte zunächst jede Spur. Von ihm erhoffen sich die Behörden Aufschluss über die Vorgänge an Bord. Sie versichern, von den Piloten keinen Notruf erhalten zu haben. Armenien entsandte eigene Ermittler nach Russland.

An der Unglücksstelle breitete sich ein riesiger Treibstoffteppich aus. Auf dem Wasser schwammen Gepäckstücke, Flugzeugtrümmer, Rettungswesten und Leichenteile. Bis zum Vormittag bargen die Rettunsgmannschaften 38 Leichen. Heftiger Regen behinderte die Bergungsarbeiten.

Angehörige der Opfer warteten auf dem Flughafen von Sotschi verzweifelt auf Nachrichten. Viele von ihnen hatten erst am Morgen von dem Unglück erfahren und konnten es noch nicht fassen. "Meine Mutter war in der Maschine. Sie wollte ihre Schwestern besuchen, die sie 15 Jahre lang nicht gesehen hatte", erzählte Apet Tatevosjan. Das junge Mädchen schluchzte: "Sie wollte sich melden. Als wir nichts von ihr hörten, wurden wir unruhig und riefen bei unseren Verwandten in Sotschi an - erst von ihnen erfuhren wir von dem Absturz". Russlands Präsident Wladimir Putin und der armenische Staatschef Robert Kotscharjan ordneten für Freitag gemeinsame Staatstrauer an, in Armenien gilt sie auch für Samstag.

Laut der armenischen Luftfahrtbehörde war der Airbus in "ausgezeichnetem technischen" Zustand. Die Maschine sei erst im April gewartet und bei der Gelegenheit komplett auseinandergenommen worden. Nach Angaben von Airbus fliegt die Maschine seit Februar 2004 für Armavia. Sie habe rund 14.000 Flüge und 28.000 Flugstunden hinter sich gehabt. Armavia ist seit der Pleite der staatlichen Armenian Airlines 2003 das größte Luftfahrtunternehmen Armeniens.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte das Flugzeug den Landeanflug begonnen. Aber wegen des schlechten Wetters (Sturm der Stärke 4) schlug der Fluglotse der Besatzung vor, nach Jerewan zurückzukehren. Später wurden der Besatzung zwei Landebahnen mit einer Sicht von 100 und 360 Metern angeboten. "Die Sicht war schlecht. Aber auch bei einer solchen Sicht kann man landen", sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Die Fluggesellschaft Armavia hat in Jerewan eine Hotline geschaltet, über die man die Information über die Flugzeugkatastrophe bekommen kann: +37- 410 - 28-63-56.

. Airbus-Experten helfen bei der Ermittlung der Ursachen der Flugzeugkatastrophe

Die Experten des Airbus-Konzerns werden bei der Ermittlung der Umstände der Flugzeugkatastrophe bei Sotschi Hilfe erweisen. In der Nähe der russischen Schwarzmeerstadt ist in der Nacht zum Mittwoch ein Airbus A-320 der armenischen Fluggesellschaft Armavia abgestürzt.

Wie aus dem Hauptquartier des Konzerns im französischen Toulouse verlautete, ist eine Gruppe mit sechs Experten bereits auf dem Wege zur Unglücksstelle. Eventuell werden sich auch Mitarbeiter der Airbus-Vertretung in Moskau anschließen.

Zuvor wurde mitgeteilt, dass die abgestürzte Maschine A-320-211 aus dem Baujahr 1995 beim internationalen Unternehmen Vermille International Services B.V. im Jahr 2004 geleast worden war.

Airbus wird entsprechend internationalen Konventionen russischen Behörden, die für die Ermittlung der Umstände der Flugzeugkatastrophe zuständig sind, den vollen technischen Beistand leisten.

Erster Unfall mit Airbus A-320 in Russland

Bei dem Absturz des Passagierjets A-320 in der vergangenen Nacht handelt es sich um den ersten Unfall einer Maschine dieser Klasse in Russland.

Wie ein Experte der Flugnavigation mitteilte, sind die Flugzeuge dieses Typs erst seit fünf Jahren in Russland im Einsatz. Sie seien höchst zuverlässig und haben mindestens vier Sicherheitsstufen. "Ein solches Flugzeug ,kaputtzufliegen' ist so gut wie unmöglich. Die Flugzeugführung ist völlig automatisch, die Maschine reguliert selbständig die Flughöhe usw.", äußerte der Experte. Ihm zufolge ist die Absturzursache deshalb unklar.

"Eine derart zuverlässige Maschine konnte entweder aufgrund von Kraftstoffmangel (da sie mehrmals den Landeanflug einleiten musste) oder wegen menschlichen Versagens verunglücken", mutmaßte er.

Dem Experten zufolge lässt sich die Landung der A320 vorprogrammieren. Der Flughafen Sotschi hat zwei Landebahnen. Nachdem die Landung auf der ersten Bahn misslungen war, leitete das Flugzeug den zweiten Landeanflug ein. Der Fluglotse wies der Maschine diesmal die zweite Landebahn zu, und die Piloten mussten das Landeprogramm umprogrammieren. "Das Problem ist, dass man bei einer solchen Landung nicht überprüfen kann, ob das neue Programm ausgeführt wird", sagte der Experte. Seinen Worten nach musste die A-320 unter schlechten Witterungsbedingungen landen, es regnete heftig, die Wolkenhöhe betrug 100 Meter.

Bisher gab es weltweit acht Unfälle mit A-320-Flugzeugen, erinnerte der Experte.