Afghanistan bittet Russland um Hilfe

afghanische Schura
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Die Aktivitäten der radikalen Gruppen in Afghanistan bedrohen auch die nationale Sicherheit Russlands. Deshalb wird Moskau die Zusammenarbeit mit Kabul nicht aufgeben. Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit werden schon seit langem diskutiert und in der heutigen Situation werden sie wichtig. Aufgrund der geringen Sicherheit sind umfangreiche Investitionen in die afghanische Wirtschaft jedoch eher unwahrscheinlich, schreibt die »Iswestija«.

Russland wurde im Jahr 1978 von der damals an die Macht gekommenen afghanischen kommunistischen Partei dringend um Hilfe gegen bewaffnete oppositionelle Gruppen gebeten. Russland zögerte lange. Erst als die Regierung des Landes, das der UdSSR benachbart war, in heftige Schwierigkeiten kam, entschloss sich der damalige Generalsekretär der Sowjetunion, Breschnew, militärisch einzugreifen, was 1989 – nach über 10 Jahren grausamer Kämpfe – schmählich mit dem bedingungslosen Abzug der russischen Truppen endete.

Die damalige Sowjetunion engagierte sich in Afghanistan jedoch nicht nur militärisch. Sie half Afghanistan, dem kommunistischen Bruderstaat, beim Wiederaufbau der schon zuvor in einem Bürgerkrieg zerstörten Wirtschaft.

Der jetzige Konflikt in Afghanistan besteht seit 2001. Damals brachten die USA und die NATO zur Bekämpfung von »Al-Quaida« und den »Taliban« größere Truppenkontingente nach Afghanistan, die in den letzten Jahren nach und nach wieder abgezogen werden und gleichzeitig wird auch die finanzielle und wirtschaftliche Hilfe gekürzt. Jedoch steigt jedoch die Aktivität der Terrorgruppen.

Wie der  Attaché für Wirtschafts- und Handelsbeziehungen der Botschaft von Afghanistan in Moskau, Mohammad Qasim sagt, steht das Land heute, nachdem die NATO sich immer mehr aus Afghanistan zurückzieht und der neue US-Präsident Trump wenig Interesse für Afghanistan zeigt, vor derselben Aufgabe wie damals.

Viele der heute wiederaufzubauenden Objekte stammen noch aus der Sowjetzeit und wurden von sowjetischen Spezialisten gebaut – nach Qasim sind es 124 Objekte. Er nennt als Beispiel den Tunnel »salang«, eine Bäckerei in Kabul, das Polytechnikum und das E-Werk in der Stadt Puli-Chumri.

Die Frage der massiven Investitionen in die afghanische Wirtschaft sei leider ziemlich kompliziert, sagt der Sonderbeauftragte des Russischen Präsidenten für Afghanistan, Zamir Kabulow. In den vergangenen Jahren habe Russland den westlichen Partnern, die Militär in Afghanistan haben, häufig gemeinsame Investitionsprojekte vorgeschlagen. Auf diese Vorschläge habe man aber immer nur Absagen gehalten. Und die Wiederherstellung Afghanistans übersteige die Kraft eines einzelnen Landes.

Afghanistan wünscht sich, dass viele russische Unternehmen an Ausschreibungen für Objekte in Afghanistan teilnehmen und diese auch gewinnen. Zurzeit arbeiteten nur wenige Unternehmen im Lande, aber laut Stellvertretendem Minister für Energie und Co-Vorsitzendem der russisch-afghanischen Handels- und Wirtschaftskommission, Juri Sentyurin, stünden schon 30 Unternehmen in den Startlöchern.

[Hanns-Martin Wietek/russland.news]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.